Siebter Eintrag

Kurz vor der türkischen Grenze suchten wir eine Alternative zu den großen Straßen. So gelangten wir in einen schönen und großen Nationalpark. Der Weg dem wir folgten zeigte uns den Park von der unwegsamsten und unbewohntesten Seite. Als erstes führte er uns zu einem großen hölzernen Aussichtsturm, der bereits unsere zukünftige Strecke erahnen ließ.

Der Weg leitete uns zunächst durch eine große Furt, an der gleich zwei Flüsse zusammen kamen.

Kurz darauf verließen die wenigen Autospuren die „Straße“ und durchschnitten unergründlicherweise eine Wiese. Die Nächsten hundert Meter dachten wir uns nicht viel dabei, doch dann kam sie, eine Brücke oder besser gesagt keine Brücke, ein zwei Meter tiefer Abgrund, am Boden ließen sich nur noch die Reste besichtigen.

Ein kleiner Pfad entließ die Brücke aus ihrer Pflicht. Ab jetzt fiel die fehlende Befahrung auf, Büsche machten sich auf der Straße breit und ließ sie zum Teil schwieriger begehbar werden als den Wald daneben, an fahren war gar nicht mehr zu denken.

Eine gute halbe Stunde später und zwei Kilometer weiter die nächste Brücke, diesmal war noch ein Rest erhalten aber die Umstände hatten sich geändert, diese war fünf Meter hoch und vier Meter lang, zudem erweckten die Reste nicht gerade unser Vertrauen, sie hielten nur noch aus Gewohnheit.

So hieß es runter vom Fahrrad und alles einzelne durch den Bach tragen. Wir hatten viel Spaß dabei.

Danach wurde der Weg wieder besser, einige Furten waren eine besondere Freude. So ging es bergauf bis zur nächsten richtigen Straße. Befahren war sie gar nicht. Erst als wir sie für den nächsten Waldweg verließen begegneten uns ein klappriger Kleinwagen, er hatte nur noch eine Frontscheibe  und der Benzintank befand sich auf dem Dach. In einem kurzen Gespräch bestätigte der Fahrer uns, dass der Weg in richtung Türkei führe.
Nach und nach wurde der Waldweg zu einem ausgetrockneten Flussbett und dieser zu einem schlammigen Pfad.

Unsere letzte Hoffnung, noch an diesem Tag die bulgarische Grenzstadt zu erreichen, wurde gänzlich zertreten, als über den vor uns liegenden Fluss weder eine Brücke noch eine vernünftige Furt führte. In jedem Fall mussten wir auf die andere Seite, das Gewässer war zwar nur bauchnabel-hoch, dafür aber zehn Meter breit und hatte eine starke Strömung.

Es war nicht leicht das Gepäck ans andere Ufer zu befördern, insbesondere die Fahrräder stellten eine Schwierigkeit dar. Nachdem wir mit Mann und Maus den Strom überquert hatten war es dunkel und wir kalt sowie nass. Nächstes Problem, was sollten wir Essen? Die Möglichkeit einzukaufen blieb uns ja nun verwehrt. Wir Packten unsere letzten Reste aus und sammelten einige Brennesseln. Es gelang tatsächlich ein anständiges  Abendmahl, aus Brenneselspinat (äußerst fettig aber sehr sättigend), einer Gemüsebrühe mit selbstgemachten Nudeln und süßem Reis.

Erstaunlich satt und müde vielen wir auf unsere Schlaflager. Dies war wohl der intensivste Tag in Bulgarien.

Am nächsten Tag erreichten wir die Türkei, nach einem erneut sehr harten Weg aus dem Tal, mussten mehr schieben als das wir Fahren konnten.

Die Erfahrungen mit diesem Land sind bis jetzt durchweg Positiv.

Die Gastfreundschaft ist überragend, in den letzten Tagen wurden wir häufig auf schwarzen Tee eingeladen und mit kleinen Geschenken bedacht. Das Land bietet einen ganz neuen Flair und wir sind gespannt was uns noch so alles Erwartet.

Heute haben wir Istanbul erreicht, die Stadt ist riesig  und hat eine Menge zu bieten. Um bis ins Zentrum zu kommen mussten wir uns mehr als siebzig Kilometer, bei enormen Verkehr und auf autobahnähnlichen Straßen durch die schier endlosen Vorstädte und fünfzehnmillionen Metropole Istanbul „kämpften“. Es hat sich aber schon jetzt gelohnt!

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