Zehnter Eintrag

Am Samstag lernten wir Muradi kennen, er lud uns zu sich nach Hause ein. Dort wurden wir gut bewirtet, bekamen allerlei Speisen und Weine, und Muradis netter Neffe Sergey, der sehr gut Englisch spricht, übersetzte was sein Onkel sagte. Einige Zeit unterhielten wir uns noch, dann verabschiedeten uns die beiden und gaben uns noch zwei Liter Wein und einen Liter Chacha (60%iger georgischer Schnaps) mit. Weit wollten wir nicht mehr fahren, so kam uns die kleine, verlassene Hütte nur gelegen. Wir schlugen unser Lager auf und begannen den geschenkten Wein zu leeren. Erstaunlich schnell war die Flasche inhaltslos und der Alkohol schlug uns bald in die Schlafsäcke. Die Nacht war nicht gerade angenehm und der nächste Tag war auch durchwachsen. Dennoch erreichten wir zügig Kutaisi. Dort wurden wir an ein schönes, preiswertes Gasthaus verwiesen, wir konnten sogar unsere Räder für einige Tage dort unterstellen.

Um sieben Uhr am nächsten Morgen machten wir uns, mit kleinem Gepäck, auf den Weg zu unserem Bus (ein Kleinbus, auf georgisch Marschrutka), welcher sich, eine Stunde später nach Mestia aufmachte. Die Fahrt dauerte, wurde jedoch nicht langweilig, denn sobald wir hoch in die Berge fuhren hingen wir gebannt an den Scheiben.

In Mestia angekommen staunten wir nicht schlecht, als  wir die vielen steinernen Verteidigungstürme, die fast jedes Gehöft besitzt, erblicken. Bisher kannten wir die Bauten nur von Bildern, doch in echt waren sie noch beeindruckender. Unser Gasthaus, welches wir im Voraus gebucht hatten, befand sich 11 km entfernt von Mestia. Zunächst wollten wir einen Bus nehmen, der Preis war uns jedoch deutlich zu hoch. Umringt von schneebedeckten, felsigen Gipfeln machten wir uns daher auf den langen Fußmarsch. Glücklicherweise entschieden wir uns dazu bei jedem Auto, das in unsere Richtung fuhr, den Daumen rauszuhalten. Denn schon das fünfte Fahrzeug nahm uns ein weites Stück mit. In der Dunkelheit kamen wir am Gasthaus an. Das Zimmer war gemütlich und durch die elektronische Heizung gut vorgeheizt, wir waren jedoch die einzigen Gäste. Als wir unseren Gastvater nach dem WLAN fragten, waren wir zunächst verwundert, denn er holte sein Handy heraus, entfernte die SIM Karte und stecke sie in einen kleinen Router.

Am nächsten Morgen war Philip krank, und Falk und Laurin gingen zu zweit auf Wanderschaft. Erst wollten wir einen Gletscher besichtigen, doch der Weg dorthin war eingestürzt, also entschieden wir uns für das Erklimmen eines Berges (Immerhin mit einer Höhe von nahezu 3000m). Auf dem abendlichen Rückweg profitierten  wir von Zwei Mitfahrgelegenheiten, einem Kran und einem Betonmischer.

Mittwoch und Donnerstag unternahmen wir ebenfalls Tagesausflüge, Philip ging es schon besser und er konnte sich mit betätigen. Wir liefen durch traumhafte Landschaften und urige Dörfer. Jeden Abend trampten wir zurück und immer war es eine tolle Erfahrung.

Freitagmorgen hupte uns der Bus nach Kutaisi aus den Betten, stürmisch verließen wir unser Zimmer und saßen gleich darauf auf weichen Polstern. Der Fahrer jagte seinen Bus den holprigen Weg entlang, dass wir auf und ab hüpften. Gegen Mittag waren wir auch schon wieder in Kutaisi, dort mussten wir uns sogleich die Mägen voll schlagen, bevor es weiter gehen konnte.

Am Abend suchten wir eine Biker Bar auf, der Barkeeper (Gregory), ein wirklich netter Mann, der sehr gut deutsch spricht, unterhielt sich viele Stunden mit uns. Nun genießen wir den Abend und lassen die gemütliche Barstimmung auf uns wirken.

Advertisements

Neunter Eintag

Wir haben es geschafft!

Am Mittag des 14.10 passierten wir den türkisch-georgischen Grenzübergang. Recht schnell kümmerten wir uns um einen Lagerplatz, an dem Falk sich hinlegen konnte, um sich auszukurieren. Das restliche wir machte sich auf zu einer kleinen Expedition in das Dorf, durch welches wir bereits gefahren wahren. Es lag zwischen schneebedeckten Bergen (auf fast 2000m), in einer wunderschönen Landschaft. Die Armut, der wir dort begegneten, hatte etwas Schönes, aber auch etwas Trauriges. Wieder im Zelt, spürten wir erneut, dass es Nachts in diesen Höhen doch deutlich kälter ist.

Der nächste Morgen brach an und Falk ging es bereits besser, dafür hatte die Krankheit eine weiteres Opfer gefunden, auch Philip hatte es übel erwischt.

So gestaltete sich die Weiterfahrt schwierig, doch immerhin ging es weiter. Nur Laurin war noch (besser gesagt wieder, ihn hatte es noch in der Türkei erwischt), auf den Beinen. Nach dem wir das Zelt aufgestellt hatten, machte er sich  noch auf den Weg , Bauern bei der Kartoffelernte zu helfen. Zwei Stunden später kam er mit einem Rucksack voller Erdäpfel zurück, wir machten Brei daraus.

Am nächsten Morgen besichtigten wir das Höhlenkloster in Vardizia, ein riesiger Höhlenkomplex, einige Stunden verbrachten wir in dem alten Bauwerk und bewunderten die in Stein gehauenen Zimmer. Das Tal war deutlich grüner als die Berge und auch der Wind wehte hier unten nicht so stark.

Gegen Abend lud uns Sergo ein, auf seinem Grundstück zu Zelten. Er bat uns noch auf eine Tasse Tee herein, in der Hoffnung wir könnten ihm dabei helfen, einen  Ford-Transit Kipplader in Deutschland zu erwerben. Leider konnten wir, trotz vieler Mühen nichts bewirken.

Der folgende Tag war immer noch kühl und umso angenehmer war es, in ein Restaurant einzukehren und uns den Magen mit georgischen Leckereien voll zu schlagen.

Bei unserer Zeltplatzsuche am späten Mittag, platzten wir in die Schlachtung einer Kuh, fragten die Dorfbewohner ob wir in der nähe zelten dürften, es war kein Problem.

Das Hauptziel des nächsten Tages war die Besichtigung einer Burg. Bei genauerer Betrachtung fiel auf, dass es sich fast gänzlich um einen Nachbau handelte.

Einen Tag später sahen wir dann richtige Burgruinen, eine nach der anderen tauchte auf den Berghängen entlang eines Flusses rechts von uns auf. Eine von ihnen segnete uns sogar mit einer netten Bekanntschaft. Wir trafen dort einen Russen, der sehr begeistert von unserer Unternehmung war. Wir führten eine angenehme Unterhaltung.

Heute holperten wir mit unseren Rädern  einen  steinigen, unwegsamen Weg entlang, dieser Zog sich bis zum Abend, führte uns aber erstmals Richtung Westgeorgien.

Nun sitzen wir in einem gemütlichen  Restaurant und lassen es uns gut gehen.

Achter Eintrag

Am zweiten Tag in Istanbul machten wir uns auf, um die Zugtickets nach Samson zu kaufen. Es war nicht einfach sich mit dem Bahnangestellten zu unterhalten, denn er sprach nur Türkisch. Noch komplizierter wurde es, als sich herausstellte, dass kein Zug nach Samson fuhr, es gibt entlang des schwarzen Meeres keine Zugstrecke.

Dennoch gab es eine andere Linie, die uns der georgischen Grenze sehr nah bringen sollte. Unser neues Ziel wurde Kars, eine türkische Bergstadt. Die Strecke Istanbul – Kars würden wir mit zwei Zügen bewältigen müssen (Umstieg in Ankara). Schwierigkeit Nummer zwei ließ nicht lange auf sich warten, der Schnellzug von Istanbul nach Ankara nimmt keine Fahrräder mit. Also verwies uns der nette Herr an den Busbahnhof.

Am nächsten Tag hielten wir tatsächlich drei Busfahrscheine nach Ankara in den Händen. Ca. 24 Stunden später standen wir auch schon mit voll beladenen Fahrrädern vor unserem Bus, der Fahrer schaute nicht glücklich, es war ihm anzusehen, dass er sich ansichtlich des großen Haufen Gepäcks innerlich die Haare raufte. Doch nach dem wir 100 Lira zusätzlich gezahlt hatten, war das Problem nur noch halb so groß und alles konnte verstaut werden. Die Fahrt war, bis auf die Landschaft, nicht sonderlich aufregend und nach etwa sieben Stunden Fahrzeit hatten wir Ankara erreicht. 

Die Zugtickets nach Kars kauften wir noch am selben Abend. Unser Schlafplatz in der türkischen Hauptstadt war eine Sackgasse, wir schliefen in dieser Nacht auf der Straße.

Nach dem wir den Tag über Ankara besichtigt hatten (eine ziemlich unspektakuläre Stadt) holte uns am Abend ein Bus vom Bahnhof ab, der uns etwa 70km bis zum Zug fuhr. Das Schlafabteil war gemütlich und geräumig, wir teilten es uns mit Adam, unseren freundlichen Kabinengesellen. Zunächst war unklar wo wir unsere Räder verstauen sollten, doch schließlich öffnete einer des Personals uns den Gepäckwagen. Eine Zugreise ist etwas sehr angenehmes, wir schliefen gut und wurden am nächsten Morgen mit einer atemberaubenden Aussicht beschenkt. An beiden Seiten des Zuges ragten Berge in die Höhe und verfolgten den Euphrat in Richtung seiner Quelle. Den Mittag verbrachten wir im Speisewagon, tranken Tee und genossen die Landschaft in vollen Zügen. Die Fahrt dauerte einen ganzen Tag und dies für, umgerechnet, gerade einmal 13€ pro Person. Wir können diese Tour nur wärmstens empfehlen, der Blick ist genial, dass Personal äußerst freundlich, die Ambiente gemütlich und dies für kleines Geld.

Nun schlagen wir uns weiter mit dem  Fahrradt durch bewachsene, bergige Landschaft, des kleinen Kaukasus, welche uns immer wieder aufs neue verzaubert. 

Wenn alles glatt geht sind wir heute oder morgen schon in Georgien.

An dieser Stelle wollen wir uns sehr über die Kommentare auf unseren Blog bedanken und würden uns sehr über weitere Freuen.

Siebter Eintrag

Kurz vor der türkischen Grenze suchten wir eine Alternative zu den großen Straßen. So gelangten wir in einen schönen und großen Nationalpark. Der Weg dem wir folgten zeigte uns den Park von der unwegsamsten und unbewohntesten Seite. Als erstes führte er uns zu einem großen hölzernen Aussichtsturm, der bereits unsere zukünftige Strecke erahnen ließ.

Der Weg leitete uns zunächst durch eine große Furt, an der gleich zwei Flüsse zusammen kamen.

Kurz darauf verließen die wenigen Autospuren die „Straße“ und durchschnitten unergründlicherweise eine Wiese. Die Nächsten hundert Meter dachten wir uns nicht viel dabei, doch dann kam sie, eine Brücke oder besser gesagt keine Brücke, ein zwei Meter tiefer Abgrund, am Boden ließen sich nur noch die Reste besichtigen.

Ein kleiner Pfad entließ die Brücke aus ihrer Pflicht. Ab jetzt fiel die fehlende Befahrung auf, Büsche machten sich auf der Straße breit und ließ sie zum Teil schwieriger begehbar werden als den Wald daneben, an fahren war gar nicht mehr zu denken.

Eine gute halbe Stunde später und zwei Kilometer weiter die nächste Brücke, diesmal war noch ein Rest erhalten aber die Umstände hatten sich geändert, diese war fünf Meter hoch und vier Meter lang, zudem erweckten die Reste nicht gerade unser Vertrauen, sie hielten nur noch aus Gewohnheit.

So hieß es runter vom Fahrrad und alles einzelne durch den Bach tragen. Wir hatten viel Spaß dabei.

Danach wurde der Weg wieder besser, einige Furten waren eine besondere Freude. So ging es bergauf bis zur nächsten richtigen Straße. Befahren war sie gar nicht. Erst als wir sie für den nächsten Waldweg verließen begegneten uns ein klappriger Kleinwagen, er hatte nur noch eine Frontscheibe  und der Benzintank befand sich auf dem Dach. In einem kurzen Gespräch bestätigte der Fahrer uns, dass der Weg in richtung Türkei führe.
Nach und nach wurde der Waldweg zu einem ausgetrockneten Flussbett und dieser zu einem schlammigen Pfad.

Unsere letzte Hoffnung, noch an diesem Tag die bulgarische Grenzstadt zu erreichen, wurde gänzlich zertreten, als über den vor uns liegenden Fluss weder eine Brücke noch eine vernünftige Furt führte. In jedem Fall mussten wir auf die andere Seite, das Gewässer war zwar nur bauchnabel-hoch, dafür aber zehn Meter breit und hatte eine starke Strömung.

Es war nicht leicht das Gepäck ans andere Ufer zu befördern, insbesondere die Fahrräder stellten eine Schwierigkeit dar. Nachdem wir mit Mann und Maus den Strom überquert hatten war es dunkel und wir kalt sowie nass. Nächstes Problem, was sollten wir Essen? Die Möglichkeit einzukaufen blieb uns ja nun verwehrt. Wir Packten unsere letzten Reste aus und sammelten einige Brennesseln. Es gelang tatsächlich ein anständiges  Abendmahl, aus Brenneselspinat (äußerst fettig aber sehr sättigend), einer Gemüsebrühe mit selbstgemachten Nudeln und süßem Reis.

Erstaunlich satt und müde vielen wir auf unsere Schlaflager. Dies war wohl der intensivste Tag in Bulgarien.

Am nächsten Tag erreichten wir die Türkei, nach einem erneut sehr harten Weg aus dem Tal, mussten mehr schieben als das wir Fahren konnten.

Die Erfahrungen mit diesem Land sind bis jetzt durchweg Positiv.

Die Gastfreundschaft ist überragend, in den letzten Tagen wurden wir häufig auf schwarzen Tee eingeladen und mit kleinen Geschenken bedacht. Das Land bietet einen ganz neuen Flair und wir sind gespannt was uns noch so alles Erwartet.

Heute haben wir Istanbul erreicht, die Stadt ist riesig  und hat eine Menge zu bieten. Um bis ins Zentrum zu kommen mussten wir uns mehr als siebzig Kilometer, bei enormen Verkehr und auf autobahnähnlichen Straßen durch die schier endlosen Vorstädte und fünfzehnmillionen Metropole Istanbul „kämpften“. Es hat sich aber schon jetzt gelohnt!